Das virtuelle Hussinetz-Museum im Internet

Ein Heimatmuseum gehört gewöhnlich in den Ort, um den es eigentlich geht. Flucht und Vertreibung haben jedoch alles relativiert. So gibt es zum Beispiel im heutigen Deutschland auf fremdem Standort so manche „Heimatmuseen“ oder „Heimatstuben“, die das untergegangene deutsche Schlesien betreffen:
http://www.schlesisches-museum.de/hst/dateien/Adressen.pdf

 

Zu Strehlen befindet sich eine Heimatstube in Herne:

http://www.bhg-strehlen.de/bhs.htm

 

Inzwischen haben jedoch deutsch-polnische Initiativen auch so manches museale Projekt auf dem Boden des heutigen polnischen Schlesien (Slensk) geschaffen. So wurde am 3. Oktober 2015 in Strzelin (früher Strehlen) in der ehemaligen Hospital-Kapelle (ul. Brzegowa 10) eine Ausstellung eröffnet, die der deutschen Geschichte der Stadt und ihrem Landkreis gewidmet ist. Das Vorhaben wurde maßgeblich durch die Bundesheimatgruppe Stadt und Landkreis e.V., Herne, gefördert und durch deutsche Bürger mit regionalen Wurzeln unterstützt.

 

Auch das Virtuelle Hussinetz-Museum hat seine Unterstützer. Es sind jene, die seit Jahrhunderten mit ihren Texten, Bildern und Gegenständen dessen Realisierung erst möglich gemacht haben. Den eigentlichen Fundus bilden nämlich Bücher, Zeitschriften, Notizen und Internetseiten, aber auch Auszüge aus privaten Sammlungen und Fotoalben sowie Abbildungen von Erinnerungsstücken. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

 

Das Ausstellungskonzept berücksichtigt vor allem die historische Besonderheit, die sich für Strehlen/Strzelin aus der schicksalhaften Verquickung mit böhmisch-hussitischen Glaubensflüchtlingen ergeben hat, die Friedrich der Große im 18. Jahrhundert ins Land holte. Dann kam der 2. Weltkrieg mit der Vertreibung der Deutschen und der polnischen Neubesiedlung. Es ist daher gerade das Zusammentreffen der Deutschen, Böhmen und Polen im Kontext dreier ereignisreicher Jahrhunderte, was den besonderen Charakter der europäischen Kulturinsel Hussinetz/Strehlen (Gesiniec/Strzelin) ausmacht.

 

Etwa 22 deutsche, an zehn böhmisch geprägte und inzwischen schon drei polnische Generationen stellten somit im Gründungsjahr 2015 des Virtuellen Hussinetz-Museums berechtigt den Anspruch, dass die Region Strzelin/Gesiniec ihre Heimat bzw. die ihrer Vorfahren ist. Insofern ist das einstweilen deutschsprachige, digitale Hussinetz-Museum keine rein deutsche, sondern eine internationale Angelegenheit und daher im Internet genau richtig angesiedelt. Und die digitale Exposition sollte im Laufe der Zeit - möglichst mehrsprachig - auch die Schicksale der Vertriebenen in den Aufnahmeländern sowie die polnische Nachkriegsgeschichte der Kulturinsel Gesiniec/Strzelin berücksichtigen. Es gibt ohnehin viel zu tun, und der Besucher der Internetseite möge dafür Verständnis haben, dass so manche Rubrik noch unbesetzt ist. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass hier jeder durch Zusendung von Exponaten mitwirken kann.

Und noch ein wichtiger Hinweis: Ihre finanzielle Spende könnte jederzeit das Niveau des Virtuellen Hussinetz-Museums verbessern.

 

Diese Art der digitalen Präsentation ist zwar einstweilen aus der Not geboren worden, doch sollte sich einst ein realer Standort finden, so wird man auch den dinglichen Exponaten eine Chance geben. Gegenwärtiger „Standort“ ist jedenfalls die Internetseite www.drhdl-museum.de, die vom Haus Ellen aus bedient wird, das sich in Niederwiesa, Talstraße 53 befindet. Menschen, die Beiträge leisten möchten, sind herzlich eingeladen. Die weiteren Kontaktdaten lauten wie folgt: Dr. Hans-Dieter Langer, Tel. 03726/721826, E-Mail langer@drhdl.de.

 

Den Museen stehen in der Regel bauliche Hüllen zur Verfügung, die als Kulturdenkmale oft selbst zu den wichtigsten Exponaten gehören, weil die musealen Themen einen Bezug zum Standort oder sogar zu diesem Bauwerk haben. Nun, für das virtuelle Hussinetz-Projekt wünscht man sich vielleicht als Eingangssituation auch gern eine Haustür. Daher möchte der Gründungskurator des Hussinetz-Museums und Betreiber der Internetseite, Dr. Hans-Dieter Langer, in sein schlesisches Geburtshaus einladen. Das typische Steinarbeiterhaus  wurde um 1860 vom Urgroßvater Karl Friedrich Fleger (1836-1907) erbaut, der hier als Kohlehändler und Steinarbeiter firmierte. Die Tätigkeiten in den Steinbrüchen gehörten neben denen der Bauern und der Weber zu den frühesten und wichtigsten in Hussinetz. Hinzu kommen die zentrale Dorflage des Hauses auf der Höhe 198,7 (gemäß dem deutschen Messtischblatt) und seine ungewöhnliche Rolle im 2. Weltkrieg1).

 

Also, treten Sie ein in unser Hussinetz-Museum! (Klicken Sie bitte auf das verlinkte Bild.)

 

 

 

  1) siehe Langer, H.-D.: Wir spielten mit Minen und Granaten - Der Untergang Schlesiens aus Hänschens Sicht, auch als E-Book, Books on Demand GmbH, Norderstedt (2015), siehe

       /data/_uploaded/file/Werbung%20Minen.pdf