Schulchroniken

Der Schulunterricht für Kinder der Hussinetz-Gründer fand in der Marienkirche und in Privatunterkünften statt. Im Laufe der Zeit wurden jedoch mehrere Schulen gebaut, wie aus der Bildergalerie der Hussinetzer Schulen hervorgeht. Auch in Podiebrad entstand ein Schulgebäude, dass nach dem 2. Weltrieg - während dem die Hussinetzer Schulen zerstört worden sind - den verbliebenen Deutschen mit böhmischen Wurzeln als Unterkunft einer allgemeinbildenden polnischen Schule diente, in der ab 1948 tschechisch und polnisch gelehrt worden ist. Bis dahin diente sogar zeitweise wieder die Marienkirche als Unterrichtsort, in der einige Laien-Lehrer die Initiative ergriffen. Selbstverständlich besuchten bis zum Kriegsende auch zahlreiche Nachkommen der böhmischen Emigranten sowie der deutschen Angeheirateten, die in Strehlen oder in dessen Nähe wohnten, Schulen in der Stadt. Nach dem Krieg traf dies auch für einige Kinder von Deutschen zu, die im Laufe der Zeit die polnische Staatsangehörigkeit annahmen und polnische Bürger heirateten.

 

Hier die alten und neuen Schulen von Hussinetz in Bildergalerien:     

           

     Alte Schule                                                                                                  Neue Schule

 

Die alten Schulen, siehe Bildergalerie der alten Schulen von Hussinetz, von Hans-Dieter Langer:

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Die Neue Schule, siehe Bildergalerie der neuen Schule von Hussinetz/Friedrichstein, von hans-Dieter Langer:

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Hier noch zwei historische Fotos der Schule in Mittel-Podiebrad/Mittel-Mehltheuer/Gosciecice Srednie:

      

 

 

Eine Bildergalerie der Strehlener Schulen, siehe Die Strehlener Schulen, von Hans-Dieter Langer, die auch teilweise Nachkommen der böhmischen Emigranten absoviert haben, soweit sie in Strehlen wohnten. (Hinweis: Das Gymnasium hat der in Strehlen geborene Nobelpreisträger Paul Ehrlich besucht.):

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Für den Zeitraum bis 1909 gibt es eine Hussinetzer Schulchronik:

Chronik der Schule zu Hussinetz: I. Teil 1764 - 1907
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Es existiert auch eine Chronik der Schule zu Mittel-Podiebrad für den Zeitraum von 1836 bis 1935. Sie wurde vom Lehrer Johann Traugott Krinis im Jahr 1837 aufgezeichnet und befindet sich im Eigentum von Joachim Lellek, Frankfurt/M., der etwa 115 Jahre später selbst in dieser Schule lehrte. Das Original ist in Sütterlin-Schrift verfasst. Der nachstehenden Leseprobe sind als Hilfe die Klein- und Großbuchstaben-Alphabete beigestellt:

 

Peter Tscherny (petertscherny.bplaced.net) hat das umfangreiche Werk transkribiert und mit einem einführenden Kommentar versehen:

Transkription der "Chronik der Schule zu Mittel-Podiebrad, I. Teil 1836 - 1933"

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Der Schulunterricht in der Nachkriegszeit

Die beiden Schulen in Friedrichstein/Hussinetz wurden im 2. Weltkrieg durch Spreng- und Brandbomben zerstört. Ihre Ruinen wurde von den Polen abgetragen, und die Ziegelsteine sind als Baumaterial verwendet worden. Es sind nur noch Mauerreste der Alten Schule erkennbar. Der Ort der benachbarten Neuen Schule zeichnet sich im Gelände anhand eines überwachsenen Trümmerberges ab. Im ehemaligen Grundstücksbereich sollten Einfamilienhäuser entstehen, deren Bau jedoch vorerst gestoppt worden ist:

          

 

Im Jahr 1948 entschied sich die polnische Verwaltung, in der ehemaligen Schule von Mittel-Podiebrad/Mittel-Mehltheuer (heute Gosciecice Srednie) für die in Polen verbliebenen deutschen Einwohner der Umgebung einschließlich Strehlen/Strzelin, die ja in der Regel böhmische Wurzeln hatten, eine polnische allgemeinbildende Schule mit tschechischer Sprachausbildung einzurichten. Als erster Direktor wurde Jozef Deszczulka eingesetzt, der auch den polnischen Unterricht mit besorgte.

 

Die Tschechisch-Lehrer kamen aus der Tschechoslovakei und wurden vom dortigen Ministerium für Schulwesen delegiert und angeleitet. Im Schuljahr 1949/50 sind es die beiden Lehrer Oldrich Vitek und Dalibor Cimr gewesen.

 

Dalibor Cimr verfasste im Jahr 1993 einen Bericht, der Belange der Schulgründung und -ausstattung im Jahr 1948, die Bestallung der Lehrer und den Schulbetrieb sowie das soziale Umfeld der Schüler im Schuljahr 1949/50 und einen Ausblick auf die folgenden Jahre in tschechischer Sprache beschreibt:

Dalibor Cimr
Erinnerungen an die Lehrertätigkeit an der allgemeinbildenden Schule mit tschechischer Sprachausbildung in Mittel-Podiebrad/Gosciecice Srednie, Kreis Strzeli, Bezirk Wroclaw, in Polen (1993)
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Dieser Bericht von Dalibor Cimr wurde von Daniel Franzkowski im Jahr 2016 wie folgt übersetzt und von Dr. Hans-Dieter Langer leicht überarbeitet. Zu beachten ist, dass D. Franzkowski den Begriff "Krajane" von D. Cimr übernommen hat. Er steht vor allem für jene Menschen der Kirchenparochie Hussinetz, die sich 200 Jahre nach der Hussinetz-Gründung (1749) durch böhmische Emigranten noch immer als "Böhmen" verstanden. Das traf aber nicht für alle diese Nachkommen zu, denn viele dieser von D. Cimr bezeichneten "Krajane" - die auch die polnische Schule mit tschechischem Unterricht besuchten - empfanden sich als Deutsche und wollten weder die polnische Staatsangehörigkeit annehmen, noch als "Tschechen" gelten. Dies kam in den Folgejahren deutlich zum Ausdruck. Die restlichen "Deutschen" wurden nämlich im Jahr 1950 nach Deutschland vertrieben, während andere - wie D. Cimr schreibt - doch noch später nach Tschechien emigriert sind. Bemerkenswert ist es daher, dass viele von ihnen - wie mancher der seit 1945 bereits dorthin freiwillig Ausgewanderten und übrigens auch einige, die in Polen eine Existenz aufzubauen versuchten - letztlich doch noch vor allem in die Bundesrepublik Deutschland umsiedelten, nachdem es die Tschechoslovakei bzw. Polen erlaubten:

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Wie das Foto der Schulklasse des Jahrganges 1949/50 zeigen soll, wurden sechs Jahrgänge - und zwar die Altersgruppen 8 bis 14 jahre - jeweils von einem Lehrer gemeinsam und gleichzeitig (oft mit differenzierten Inhalten) in einem Raum unterrichtet. Die Namensliste (soweit bekannt) findet sich in der Tabelle:

 

Hier noch das polnische Absolventen-Zeugnis am Beispiel des im Jahr 1950 9jährigen Hans-Dieter Langer (Vorname im Polnischen und im Tschechischen, und so von den Lehrern genannt: Jan), worin auch die Unterschrift des Direktors Jozef Deszczulka zu erkennen ist: