Landkreisdörfer

 

Der Landkreis Strehlen
ein einführender Beitrag von Dr. H.-D. Langer

 

Hussinetz in Schlesien ist vom Anbeginn seiner Existenz (1749) eine Gemeinde im Landkreis Strehlen gewesen, obgleich dieser im Laufe der Zeit so manchen Wandel erfuhr.

So erfolgten ab dem Jahr 1749 (Hussinetz, Podiebrad, Eichwald) Dorf-Neugründungen durch böhmische Exulanten, die Friedrich der Große nach Schlesien holte. Man bezeichnete sie daher als „böhmische Dörfer“ und ihre Bewohner als „Böhmen“, obwohl schon die Dorfgründer von Anfang an die preußische Staatsbürgerschaft annahmen. Der fortschreitenden Germanisierung überlagerte sich in den 200 Jahren bis 1945 eine beträchtliche Ausbreitung der Nachkommen im Landkreis (Strehlen, Pentsch, Töppendorf, Geppersdorf), wobei ihre evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hussinetz für den engen kulturellen Zusammenhalt sorgte.

Die wohl früheste Landaufnahme im Strehlener Raum stammt aus dem Jahr 1750, und man sieht, dass bei deren vorheriger Erstellung das Dorf Hussinetz (roter Pfeil) noch nicht existierte:

Die Bildauflösung ist leider sehr gering, denn es stand kein Original für die Kopie zur Verfügung. Interessant wäre dessen Aufenthaltsort, doch machten die aufgesuchten polnischen Internetseiten (siehe z.B. der ins Bild kopierte polnische Kommentar auf schwarzem Grund) für das entsprechende deutsche Kulturgut leider keine Quellenangaben.

Vor allem für die Erinnerungskultur der Vertriebenen und ihrer Nachkommen ist da schon wesentlich wertvoller die nachstehende Karte des Landkreises Strehlen, denn sie repräsentiert den Bestand zumindest bis zum Jahr 1945 und ist bei entsprechender Vergrößerung bis ins Detail gut lesbar:

Projiziert man die beiden obigen Landaufnahmen grob übereinander, so ist eine deutliche Zunahme des Kreisgebietes zwischen 1750 (dunkelgrüne Umrandung) und 1945 erkennbar. (Die blauen x-Marken dienten lediglich der Justierung.):

In der folgenden Liste finden sich die Namen der Landgemeinden für die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Es werden in Klammern auch die Einwohnerzahlen, die kirchliche Zuordnung und das jeweils zuständige Standesamt angegeben:

Einen Überblick über Eingemeindungen und Umbenennungen im betreffenden Zeitabschnitt vermittelt die folgende Liste:

Das gesamte Gebiet des deutschen Landkreises gehört heute zu Polen, und man hat nun die Bezeichnung Gmina Strzelin (Gemeinde Strehlen). Die nachstehend zusammengefügte Karte entspricht dem Bestand von 2015:

Wenn man in die ehemaligen deutschen Ostgebiete in Polen gut vorbereitet reisen möchte, so ist die Mitnahme des „Wörterbuch der landeskundlichen Namen“ der polnischen Autoren M. J. Battek und J. Szczepankiewicz-Battek zu empfehlen. Es ist gegliedert nach Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern und Ostpreußen. Enthalten sind nicht nur die Namen der Orte, sondern auch die von Gebirgen, Bergen, Flüssen und Seen:

Alle Landgemeinden Strehlens haben eine Jahrhunderte währende deutsche Geschichte, mit der Millionen von Genealogien und viele Nationalitäten verbunden sind. Es ist verständlich, dass gerade die während des Zweiten Weltkrieges Geflüchteten, die danach Vertriebenen und jene, die später umsiedelten, sowie ihre Nachkommen ein besonderes Interesse an der Heimat Schlesien haben.

Das Digitale Hussinetz-Strehlen-Museum kann die tiefen Eindrücke eines Besuchs der ehemaligen deutschen Landschaften mit ihren Gütern, Dörfern und Städten nicht ersetzen, doch geht es hier unter anderem um

* die Präsentation von Hilfsmitteln, damit man sich vor Ort leichter zurechtfindet,

* die Aufarbeitung der Geschichte, damit man besser versteht, was hier geschehen ist und geschieht,

* die Erinnerung an die regionalen Kultur- und Naturdenkmale, an die Produktionsstätten, an die Felder, Wälder, Berge und Gewässer, die einst und teilweise noch jetzt die Lebensräume geprägt haben oder prägen,

* die kulturellen Ereignisse und Beziehungen insbesondere der deutschen, böhmischen, slowakischen, polnischen und sonstigen Nationalitäten, die Schlesien ihre Heimat nennen,

* die Menschen und ihre Wohn- und Wirkungsstätten in Vergangenheit und Zukunft, die ihre Siedlungen gestaltet haben und gestalten werden,

* die Häuser oder zumindest ihre ehemaligen Standorte, in denen sie oder ihre Vorfahren oder ihre Mitbürger gelebt haben und gestorben sind,

* die Stätten, Kirchen, Rathäuser und Friedhöfe, in denen geboren, getauft, konfirmiert, verheiratet, gebetet und gestorben worden ist,

*die Ziele, zu denen einst gewandert oder wo gegessen, getrunken, gefeiert, gespielt, gebadet, Sport betrieben oder auch in den Schützengräben gekämpft wurde,

* die Bilder, die Kunstwerke, die Chroniken, die Literatur, die Archivalien sowie die Fotos von wenigen privat bewahrten dinglichen Exponaten, sie alle belegen die blühende Schaffenskraft der Schlesier - aus denen bis heute ungewöhnlich viele Nobelpreisträger hervorgingen bzw. gehen - und tragen via Internet eine beredte Botschaft in alle Welt hinaus.

Die unvermeidlichen Prozesse der Zerstörung, Überformung und Erneuerung der Landschaft, der Siedlungsstrukturen und der Bauwerke in Schlesien sowie die teilweise brutale Vertreibungspraxis haben zur Folge, dass vieles vom schlesisch-deutschen Kulturgut bereits spurlos verloren ist oder allenfalls völlig zerstückelt oder unübersichtlich in den Depots vor allem Polens, Tschechiens und Deutschlands lagert.

Auch das Digitale Hussinetz-Strehlen-Museum verfügt nur über einen begrenzten Fundus, doch immerhin kann man es an jedem Ort der Erde mühelos besuchen.

Was ist im obigen Sinne informativer und zugleich unterhaltsamer als sich Fotos aus den alten Zeiten anzuschauen? Mit dieser Motivation gehen wir jetzt auf eine lange Reise in den ehemaligen Landkreis Strehlen. Aus den oben genannten Gründen unterscheiden wir dabei nach „böhmischen“ und sonstigen Siedlungen. Wir werden sicher, dem A-b-c folgend, nicht jedes Dorf oder jeden Gutsbezirk berühren können, denn die alten Postkarten, Privataufnahmen und Familienbilder sind rar oder fehlen zum Teil ganz.

Zuvor haben wir aber den vielen Geflüchteten, Vertriebenen und Umsiedlern herzlich zu danken, die ihre geretteten fotografischen Schätze zur Verfügung gestellt haben, sei es der Bundesheimatgruppe Stadt und Landkreis Strehlen e.V. (Fotosammlung unter der Obhut von Klaus Preußer), sei es dem Verlag Helmut Preußler Nürnberg (Heimatblatt Strehlen …), sei es der polnischen Internetseite fotopolska.pl, seien es andere, persönliche Kanäle, einschließlich denen des Autors Dr. Hans-Dieter Langer, geb. in Friedrichstein/Hussinetz.

Wenn Sie nun Ihr spezielles dörfliches Foto-Panoptikum aufsuchen möchten, so klicken Sie bitte einfach auf das entsprechende Bildsymbol. Sollten Sie danach enttäuscht sein ob der geringen Anzahl von Bildern/Texten zu den von Ihnen favorisierten Dörfern, so seien Sie aufgerufen, gegebenenfalls Ihren digitalen Beitrag in Form von Text oder Fotos per E-Mail-Anhang zu leisten: langer@drhdl.de.

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